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Ross River:
Virus: Togavirus
(Alphavirus) (RNA)
Verbreitung: Tropische und
subtropische Gebiete in Australiens Küstenregionen, Ausbreitung im
Südpazifik: Fidschiinseln, Neukaledonien, Papua-Neuguinea etc. Hier kommen
die klinisch ähnlichen Dengue- Virusinfektionen seltener vor.
Infektionsweg:
Aedes spez. (Stechmücken), insbesondere Aedes vigilax, aber auch Culex
annulirostris.
Dauer der Inkubation:
3-21 Tage
Symptomatik:
Fieberhafte Erkrankung, gelegentlich mit Ausschlägen und Polyarthritis, oder
Fieber mit Myalien, Arthritis und Ausschlägen oder Enzephalitis. Durch RR
verursachte epidemische Polyarthritis ist gelegentlich begleitet von
Arthralgien. Patienten klagen über schwere Schmerzen für 2–6 Wochen und
haben wiederkehrende Arthritis oder Arthralgien, die bis zu 30–40 Wochen
und länger andauern können. Ungefähr die Hälfte der Patienten haben großflächige
Ausschläge, die über eine Woche bestehen können. Zwischen 30–50% der
Patienten haben Fieber und Schüttelfrost. Fieber, Ausschläge und Arthritis
können gemeinsam oder einzeln auftreten.
Sandfliegen-Fieber: (Pappataci-Fieber)
Virus: Bunyavirus (Phlebovirus) (RNA)
3 Serotypen sind von reisemedizinischer Bedeutung:
- Sandfliegen-Fieber (SF)-Sicilian (SFS)
- SF-Naples (SFN)
- SF-Toscana (TOS)
Verbreitung: SFS und SFN: Mittelmeerraum bis Pakistan
TOS: wurde bisher nur in einigen Regionen Italiens, Portugals, Spaniens und
Zyperns nachgewiesen.
Infektionsweg: Vektor: Sandfliegen (Phlebotomus spez.), stechen
hauptsächlich in der Dämmerung und nachts
Reservoir: Nutztiere wie Schafe und Rinder, Waldmäuse
Dauer der Inkubation: in der Regel 3-4 Tage (bis zu 6 Tage beobachtet)
Symptomatik: Die klassische Symptomatik des SF zeigt einen plötzlichen,
schnellen Fieberanstieg, Kopfschmerzen, retroorbitale Schmerzen, Myalgien,
Photophobie und Arthralgien. Bisweilen treten Übelkeit und Erbrechen auf.
Die Symptomatik hält in der Regel 2-4 Tage an, selten kann es zu einer
protrahierten Rekonvaleszenz kommen.
Infektionen mit TOS führen häufig zusätzlich zu einer aseptischen Meningitis
mit einer protrahierten lymphozytären Liquorpleozytose. Diese Symptomatik
tritt zumeist ca. 2 Wochen nach Abklingen der oben beschriebenen febrilen
Symptomatik auf. Bei einigen Patienten wurden Lähmungen und
Bewußtseinstrübungen beobachtet. Es kann zu langanhaltenden (Wochen),
persistierenden Zephalgien kommen. Bei Erwachsenen scheinen inapparente
Verläufe selten zu sein, und es entwickelt sich zumeist die klassische
Symptomatik des SF.
Differentialdiagnose: West-Nil-Fieber, Rift-Valley-Fieber, Dengue-Fieber,
Influenza.
Prophylaxe: Schutz vor Sandfliegenstichen (Repellents; Schutz durch
Moskitonetze nicht adäquat gegeben). Derzeit ist keine Schutzimpfung
verfügbar.
Die
Dengue- Erkrankung: (gesprochen Dengi)
wird durch den Denguevirus ausgelöst. Dieser ist mit dem Gelbfiebervirus
verwandt und gehört zur Gruppe der Flaviviren (RNA-Virus).Es gibt 4
unterschiedliche Subtypen (1-4).
Dengue Fieber ist
besonders in tropischen und subtropischen Gebieten in Südost-Asiens,
Südpazifik, In Nordaustralien, bes. im Norden Queenslands, Afrika, Mittel-
und Südamerika, Karibik.
Die schwere
Verlaufsvorm, das sog. Hämorrhagische Dengue-Fieber (DHF) ist besonders im
südostasiatischen Raum verbreitet.
Es wird durch
verschiedene Stechmücken der Aedes-Gruppe übertragen, die auch tagaktiv
sind.
Die
Inkubationszeit beträgt 5-8 Tage (3-15 Tage sind möglich).
Es gibt drei
Verlaufsformen mit unterschiedlichen Symptomen:
Das klassische
Dengue- Fieber: Es kann ein Vorstadium mit Einer Bindehautentzündung und
Koryza auftreten, dies muss aber nicht sein. Die Erkrankung beginnt mit
einem raschen Fieberanstieg auf oft über 40°C. Schüttelfrost und starke, für
die Erkrankung charakteristische, Muskel- und Gelenkschmerzen treten auf.
Daher stammt auch der Name "Knochenbrecher-Fieber".
Kopfschmerzen und Schmerzen hinter den Augäpfeln kommen hinzu. Das Fieber
bleibt für 2 bis 4 Tage anhaltend hoch. Niedriger Blutdruck und eine
Verlangsamung des Herzschlages treten auf.
Ein leichter Hautausschlag, Lymphknotenvergrößerungen und eine
Milzschwellung sind häufig. Nach einem schnellen Fieberabfall mit deutlichem
Schwitzen kommt es typischerweise zu einem erneuten Fieberanstieg nach 1-2
Tagen. Zu diesem Zeitpunkt tritt ein sehr deutlicher, an Scharlach
erinnernder, Hautausschlag am gesamten Körper außer dem Gesicht auf.
typische drei Symptome (Dengue- Trias): Fieber - Hautausschlag und Starke
Schmerzen der Muskeln und Gelenke.
Oft dauert es bis zur vollen Gesundung wochenlang.
Milde atypische
Verlaufsform: Dabei treten ähnliche Beschwerden wie beim klassischen
Dengue-Fieber auf. der Verlauf ist jedoch milder. Die Beschwerden halten
höchstens 72 Stunden an.
Das Dengue
Hämorrhagisches Fieber (DHF) oder Dengue Schocksyndrom (DSS) ist die
schwerste Verlaufsform. Sie tritt hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen
auf die in den Verbreitungsgebieten leben. Hellhäutige männliche Kinder sind
besonders betroffen.
Nach einem raschen Fieberanstieg kommt es zu Kopf- und Gliederschmerzen,
Erbrechen und Atemnot durch eine Lungen- oder Herzbeteiligung
(Herzmuskelentzündung).
Etwa 2-6 Tage nach Krankheitsbeginn kommt es zu schweren Komplikationen und
zur Schocksymptomatik mit Blutungsneigung und Gerinnungsstörungen.
Punktförmige und flächige Einblutungen in die Haut und Schleimhäute,
Nasenbluten, Bluterbrechen und Hirnblutungen (subarachnoidale Blutungen)
treten auf. Durch die Organeinblutungen kommt es zu einem Organversagen. Die
Letalität zwischen 6 und 30%.
Bei der
klassischen Verlaufsform ist die Prognose günstiger. Bei Kindern ist der
Verlauf häufig milder als bei Erwachsenen.
Eine
durchgemachte Infektion sorgt für eine langanhaltende, typenspezifische
Immunität, kein Schutz vor Infektion mit den anderen Dengue- Subtypen. Im
Gegenteil, niedrige Antikörpertiter gegen einen der vier Subtypen können
einen foudroyanten Krankheitsverlauf - Enhancement - bei Infektion mit einem
anderen Subtyp hervorrufen.
Eine heilende
Therapie ist nicht möglich, so daß die Therapie rein symptomatisch ist.
Als
Differentialdiagnose sind alle viral bedingten hämorrhagischen Fieber wie
z.B.
Gelbfieber und andere
Arbovirusinfektionen sowie weitere Krankheiten: Rickettsiosen,
Virushepatitiden,
Leptospirose, Malaria, Typhus, Masern und Röteln zu nennen.
Zur Vorbeugung empfiehlt sich ein Schutz
vor Mückenstichen.
Eine Schutzimpfung ist nicht möglich.
Die Japanenzephalitis:
wird durch Viren, sog. Flaviviren (RNA)
ausgelöst. Es gibt verschiedene Stämme des Krankheitserregers (u.a. Jap.
Enzephalitis, Murray-Valley-Enzephalitis, Kunjin). Die Krankheit wird durch
Stechmücken der Culex spezies übertragen. Als Reservoir für die Viren sind
Vögel und domestizierte Tiere (v.a. Schwein) wichtig.
Die Japanenzephalitis ist ind
Südost-Asien, China, Indien, Japan,
Ostsibirien, Guam (Jap. Enzephalitis), Australien (Murray-Valley-Enzephalitis,
Kunjin) verbreitet. Sie kommt besonders in moderaten Klimazonen vor. Eine
saisonale Häufung im Spätsommer wird beobachtet.
Die Inkubationszeit beträgt
zwischen 5 und 15 Tagen.
Von der klassischen
Verlaufsform der Meningoenzephalitis sind zumeist Kleinkinder und alte
Menschen betroffen davon. Die Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen und
Erbrechen. Es kommt zu Bewußtseinstrübung, Reflexstörungen und Lähmungen der
Bewegung. Nach dem 10. Krankheitstag beginnt meist die Entfieberung. Die
klinisch manifeste Erkrankung hinterlässt häufig (80%) neurologische und
psychische Dauerschädigungen. An der Erkrankung sterben etwa 10%, wobei die
Patienten zumeist vor dem 10. Krankheitstag sterben. Ein Großteil der
Infektionen (>95%), verläuft vor allem. im Erwachsenenalter jedoch
ohne Erkrankungszeichen (inapperent).
Als Differentialdiagnose
kommen andere viral bedingte Meningitiden, Enzephalitiden oder Tuberkulose
in Betracht.
Zur Vorbeugung ist ein Schutz
vor Mückenstichen wichtig. Eine aktive Schutzimpfung gegen die Japanische
Enzephalitis ist mit einem inaktiviertem Impfstoff (Firma Biken, Japan)
möglich. Dieser Totimpfstoff ist in Deutschland nicht zugelassen, jedoch
über die Internationale Apotheke verfügbar. Die Impfung wird empfohlen bei
längerem Aufenthalt in Risikogebieten. Nach durchgemachter Infektion (auch
inapparent) besteht eine Immunität.
SARS
Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom:
Erregerursache?
Es handelt sich um ein neues, bisher unbekanntes Virus aus der Familie der
Corona-Viren, vermutlich tierischen Ursprungs. Erste Erkrankungen aufgrund
der Virusinfektion sind möglicherweise im November 2002 in China (Provinz
Guandong) aufgetreten. Wie Ende 2003 bekannt wurde liegt der Ursprung der
Erkrankungen wohl im Verzehr der Ziebetkatze, bei der der Erreger gefunden
wurde.
Der SARS- Erreger zählt zu Gruppe der Corona-Viren, die bisher nur milde
Krankheitsverläufe verursachten.
Nachweismöglichkeit?
Die Meldungen von allgemeinen Atemwegsinfektionen sind in Deutschland
jahreszeitlich bedingt in dieser Woche deutlich zurückgegangen. Etwas
erhöhte Aktivitäten bestehen noch in Sachsen. Bei allgemeinen
Atemwegsinfektionen steht ein Influenzatest zur Verfügung, der bei positivem
Ausfall, SARS nahezu ausschließt.
Bei SARS-Krankheitsverdacht ist im Tropeninstitut Hamburg ein Testverfahren
verfügbar. Mögliche Untersuchungsmaterialien sind: Rachenabstrich, Sputum,
Lungenspülflüssigkeit, Stuhlproben und ev. auch Serum. Falsch positive
Testergebnisse sind selten. Negative Ergebnisse sind für einen
Erregerausschluss nicht beweisend. Es ist zu erwarten, dass dieser Test in
Kürze auch in den Laboren in Berlin und Marburg zur Verfügung stehen wird.
Ein SARS-Test ohne SARS- Krankheitsverdacht ist unsinnig.
Übertragung?
Das Virus wird bei Erkrankten in den Atemwegen und im Stuhl nachgewiesen.
SARS ist eine Erkrankung der unteren Atemwege (Schnupfen, grippale Symptome
ohne hohes Fieber sind keine SARS-Zeichen!). Die Übertragung kann durch
direkten Gesicht- zu- Gesicht- Kontakt oder möglicherweise auch durch
Schmierinfektionen (Stuhl-Hand), z.B. bei der Pflege von
Familienangehörigen, übertragen werden.
In den hauptsächlich betroffenen Regionen in Südostasien (insbesondere
Guandong, Hongkong, Singapur, Vietnam, Taiwan) leben mehrere Millionen
Menschen auf zum Teil engstem Raum. Vor diesem Hintergrund spricht die Zahl
der bisher Erkrankten (02.04.03: 1.804 Erkrankungsfälle gemeldet. 62
Todesfälle, d.h. 3,4% von 1.804) dafür, dass die Virusübertragung nur durch
engen Personenkontakt erfolgt.
Die Virusübertragung bei Infizierten, aber noch nicht Erkrankten (ohne
klinische Symptome) wurde bisher nicht nachgewiesen, könnte aber ev. kurz
vor dem charakteristischen Fieberanstieg erfolgen. Mit Ausbruch der
Erkrankung, in der Regel mit sehr hohem Fieber, beginnt eine starke
Virusausscheidung. Die betroffen Personen sind in der Regel bettlägerig und
nicht (wie bei einer leichten „Grippe“) in der Lage, Alltagsgeschäften
nachzugehen.
Ein Übertragungsrisiko durch Gegenstände oder importierte Güter besteht
nicht.
Krankheitsverlauf?
3–11 Tage nach einer Infektion beginnt die Erkrankung mit hohem Fieber und
Atembeschwerden (Husten, Atemnot,...) aufgrund einer Beeinträchtigung der
unteren Luftwege. Ebenso sind Hals- und Muskelschmerzen möglich. Im weiteren
Verlauf kann sich eine Lungenentzündung entwickeln. Milde Verlaufsformen
sind möglich. Mehr als 96% der Erkrankten genesen nach der Infektion.
Eine SARS-Erkrankung ist bei der folgenden Kombination denkbar
plötzlicher Krankheitsbeginn - UND
Fieber >38,5 - UND
Muskelschmerzen - UND
mindestens ein(e) respiratorische(s) Symptom/Diagnose (Halsschmerzen oder
Husten oder Kurzatmigkeit oder Lungenentzündung oder Schocklunge) - UND
Aufenthalt in einer Region mit SARS-Vorkommen 3-8 Tage vor Symptombeginn
oder Kontakt mit einer Person mit Lungenentzündung, die sich in den letzten
2 Wochen vor Symptombeginn Regionen mit SARS-Vorkommen aufgehalten hatte
Eine wirksame unterstützende Behandlung der Erkrankten ist möglich. Eine
ursächliche Behandlung (gegen das Virus gerichtet) steht zur Zeit noch nicht
zur Verfügung.
Vorbeugung?
In einigen Weltregionen kommt SARS gehäuft vor (China: Guandong/Hongkong/Taiwan,
Singapur, Vietnam und in Toronto/Kanada und New York/USA). Eine weltweite
Ausbreitung ist wahrscheinlich. Eine generelle Reisewarnung wird von der
Weltgesundheitsbehörde nicht ausgesprochen.
Während der SARS Infektion im Jahr 2003 haben sich in wenigen Monaten
Weltweit über 7 Tausend Menschen mit SARS infiziert von ihnen sind fast 700
an SARS gestorben.
Das
SARS Virus ist nicht ausgerottet worden es hat sich nur zurück gezogen und
lauert in einem Wird auf eine erneute Chance um möglicherweise eine erneute
Pandemie auslösen zu können.
Reisehinweis
Bei Reisen in die Länder und Städte mit erhöhtem SARS- Vorkommen muss mit
Behinderungen durch Quarantänemaßnahmen der örtlichen Behörden gerechnet
werden. Insbesondere bei Reisen nach Hongkong, Singapur, Guandong, Toronto,
ggf. auch USA
Die Gesundheitssysteme in Südostasien sind durch SARS überlastet und stehen
für die allgemeine Versorgung nur eingeschränkt zu Verfügung.
Es ist Umsicht im Umgang mit erkrankten Personen notwendig. (SARS ist eine
Erkrankung der unteren Luftwege, ein Schnupfen ohne Fieber ist kein
SARS- Zeichen! Die SARS- Krankheitszeichen sind weiter unten aufgeführt). Die
Erkrankung wird offenbar durch direkten Kontakt (Gesicht zu Gesicht,
Anhusten) oder Körpersekrete (Schmierinfektionen) Daher sollen in den
genannten Regionen Kontakte zu direkt Erkrankten und Massenansammlungen
gemieden werden. In öffentlichen Verkehrsmitteln kann eine einfache
Atemschutzmaske getragen werden. Nach Personenkontakt sollte auf
Händewaschen
geachtet werden.
Reisen in die von SARS betroffen Regionen sind erschwert. Bei nicht
notwendigen Reisen erfolgen nach Aussage des Deutschen Reisebüro und
Reiseveranstalterverbandes (Herr Läpple, ARD 02.04.03) kostenlose
Umbuchungen in andere Urlaubsregionen. Geschäftsreisen können unter
Beachtung der genannten Vorsichtsmassnahmen durchgeführt werden.
Verhalten nach Rückkehr?
Wenn keine Krankheitserscheinungen bestehen, sind keine besonderen
Vorsichtsmassnahmen erforderlich. Bei Anzeichen von Atemwegserkrankungen und
Fieber sollte (um auch andere Erkrankungen ausschließen zu können)
ärztlicher Rat gesucht werden.
H5N1 -
Vogelgrippe Info
http://www.vogelgrippe-seuche.de/
Tuberkulose:
Tuberkulose, schon mal als ausgerottete Krankheit bezeichnet, ist wieder auf
dem Vormarsch. Das liegt vor allem daran, dass die Resistenzen gegen die
Behandlung extrem zugenommen haben. Damit eröffnet sich ein neues
Gefahrenpotenzial. Wie kritisch die Lage in einigen Teilen der Welt schon
ist, macht eine weltweite Studie der WHO (World Health Organization)
erschreckend deutlich.
Antibiotikaresistenzen bei Tuberkulose-Erregern sind weltweit verbreitet,
und in einigen Regionen, darunter Osteuropa, haben sie erschreckende Ausmaße
angenommen. Das sagte Kitty Lambregts von der "STOP TB-Kampagne" der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der Vorstellung der globalen
TB-Medikamenten-Resistenzstudie der WHO in Berlin. "Tuberkulose und
resistente Erreger machen an den Grenzen nicht halt", stellt die WHO fest.
Auch in Deutschland war bei der Resistenzentwicklung im Jahr 2002 eine
steigende Tendenz gegenüber dem Vorjahr erkennbar. Der Anteil der isolierten
Tuberkulose-Erreger mit einer Resistenz gegen mindestens eines der fünf
Standardmedikamente lag bei 12,1 Prozent (2001: 10,9 Prozent). "Die
Tuberkulose muss daher auch in Deutschland mit allen Mitteln verhindert und
therapiert werden", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert
Koch-Instituts.
Weltweit tragen rund zwei Milliarden Menschen das Bakterium in sich, es
erkranken jährlich über acht Millionen Menschen an Tuberkulose, ein Drittel
davon stirbt an den Folgen der Erkrankung, obwohl es wirksame Medikamente
und eine effiziente Strategie der WHO zur Behandlung und Kontrolle gibt ("DOTS"
bzw. "DOTS-PLUS"). Bei unregelmäßiger oder abgebrochener
Medikamenteneinnahme überleben vor allem solche Bakterienstämme, die
unempfindlich gegen die verfügbaren Medikamente sind, also eine Resistenz
besitzen. Dann ist die Behandlung sehr viel schwieriger und um ein
Vielfaches teurer.
In den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (NUS) hat sich die
Sterblichkeit an Tuberkulose seit 1990 nahezu verdreifacht auf 20 pro
100.000 Einwohner. Viele Personen werden aufgrund von Bagatelldelikten zu
langen Haftstrafen verurteilt. In den Gefängnissen begünstigen schlechte
hygienische Verhältnisse und Überfüllung eine Übertragung der Erreger.
"Wegen der völlig unzureichenden medizinischen Versorgung kann eine
Tuberkuloseerkrankung gleichbedeutend mit einem Todesurteil sein", meint
Robert Loddenkemper, Lungenfacharzt in der Lungenklinik Heckeshorn (Berlin)
und Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der
Tuberkulose (DZK).
Das DZK, das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien, die Deutsche
Lepra- und Tuberkulosehilfe und andere deutsche Institutionen engagieren
sich auch international bei der Bekämpfung der Tuberkulose vor Ort. Hinzu
kommt, dass in den NUS der weltweit höchste Anstieg von HIV/AIDS beobachtet
wird. "Damit ist dort eine weitere Zunahme der Tuberkulose zu befürchten,
weil das durch HIV geschwächte Immunsystem dem Tuberkuloseerreger kaum etwas
entgegenzusetzen hat", unterstreicht RKI-Präsident Kurth.
In Deutschland wurden im Jahr 2002 insgesamt 7.684 Neuerkrankungen gemäß
Referenzdefinition übermittelt. Der Trend der vergangenen zehn Jahre ist
rückläufig. Für 2001 liegen nun erstmals auch die vom Öffentlichen
Gesundheitsdienst erhobenen Daten zum Behandlungsergebnis vor. Die
Zielvorgabe der WHO (Behandlungserfolg in 85% der Fälle) wurde bei den unter
40-Jährigen erreicht. Bei höheren Altersgruppen kommt es zu einem Anstieg
von Todesfällen an Tuberkulose oder anderen Ursachen, sodass der Anteil
erfolgreicher Behandlungen deutlich unter das WHO-Ziel sinkt.
WHO veröffentlicht weltweit größte Medikamentenresistenzstudie
Die Entwicklung multiresistenter Tuberkulose (MDR TB) bei Tuberkulose (TB) -
Patienten ist in Teilen Osteuropas und der Russischen Föderation bis zu 10
mal häufiger als in anderen Teilen der Welt. Dies ist eines der Ergebnisse
einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Von den zehn so genannten "Hot Spots", Regionen in denen sich eine besonders
hohe Resistenz gegen herkömmliche TB Medikamente entwickelt hat, befinden
sich 6 in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. In Estland,
Kasachstan, Lettland, Litauen sowie Teilen der Russischen Föderation und
Usbekistan wirkten bei über 9% der untersuchten TB - Patienten traditionelle
TB Medikamente bereits nicht mehr. Die höchste Resistenz war dabei in
Kasachstan mit über 14% gefunden worden.
In absoluten Zahlen ausgedrückt heißt dies: zwischen 99 und 248 geschätzte
MDR-TB Fälle pro Land in den untersuchten Regionen in Osteuropa und
Zentralasien, für Kasachstan sogar über 3000 Fälle jedes Jahr. Zum
Vergleich, in den meisten westeuropäischen Ländern, wie z.B. auch
Deutschland, sind es jährlich jeweils weniger als 10 Fälle. Die frühere
Sowjetunion hat sich zum weltweiten Zentrum der Resistenz gegen herkömmliche
TB Medikamente entwickelt. Dabei liegen die Ursachen für diese dramatische
Entwicklung insbesondere im Zusammenbruch der öffentlichen
Gesundheitsversorgung nach dem Niedergang der ehemaligen Sowjetunion.
TB ist eine heilbare Krankheit, sofern Patienten rechtzeitig und mit einer
Kombination hochwirksamer Medikamente behandelt werden. Mehrfach resistente
Tuberkulose - wie alle Formen von TB durch die Luft über die Atemwege
übertragbar - kann sich entwickeln, wenn TB -Patienten zum Beispiel die
Behandlung mit den ihnen verschriebenen Medikamenten zu früh abbrechen oder
sich nicht an die vom Arzt verschriebene Dosierung halten. MDR-TB ist dann
sehr viel schwieriger (durchschnittliche Behandlungsdauer 2 Jahre mit
ungewissem Ausgang) und auch nur mit sehr viel höherem Kostenaufwand (bis zu
100 mal teurer gegenüber herkömmlichen Tuberkulose-Medikamenten) zu
behandeln.
"Es liegt im ureigensten Interesse Westeuropas, den Ländern in Osteuropa und
Zentralasien sowie auch den anderen am schwersten betroffenen Ländern in der
Welt - wie z.B. China und Indien - zu helfen, Tuberkulose wirksam zu
bekämpfen. Denn, Passkontrollen halten MDR-TB nicht auf, Investitionen in
weltweite Tuberkulose-Prävention schon," sagte Dr. Mario Raviglione,
Direktor des Stop TB-Programms der WHO.
Laut dem neusten WHO-Report gibt es weltweit schätzungsweise 300.000 neue
Fälle von MDR-TB jedes Jahr. Über 79% dieser Fälle davon sind noch weitaus
gefährlicher, denn die gefundenen Tuberkulosestämme sind gegenüber
mindestens 3 der 4 Haupt-Medikamente, die normalerweise zur Behandlung von
Tuberkulose eingesetzt werden, resistent.
Die zusätzliche explosionsartige Entwicklung von HIV/Aids in Osteuropa und
Zentralasien macht MDR TB zu einer noch größeren Herausforderung für das
öffentliche Gesundheitswesen. Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist,
haben eine viel höhere Wahrscheinlichkeit sich mit TB anzustecken.
Die Länder der ehemaligen Sowjetunion verzeichnen den schnellsten Anstieg an
HIV-Infizierungen weltweit. Laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten
Nationen (UNDP) leben bereits über 1,5 Millionen Menschen mit dem Virus in
der Region. Zum Vergleich, im Jahre 1995 waren es 30.000.
"Menschen mit einem angegriffenen Immunsystem bieten MDR-TB eine perfekte
Möglichkeit sich schnell zu verbreiten und zu töten," sagte der Assistant
Director General der WHO für den Bereich HIV/Aids, TB und Malaria, Dr. Jack
Chow. "Wir müssen deshalb unsere Anstrengungen verstärken um die Verbreitung
aller Formen von TB weltweit wirksam zu bekämpfen."
Laut der neuen WHO-Studie ist die wirkungsvollste Strategie, das Aufkommen
von Medikamentenresistenz zu verhindern, die konsequente Umsetzung der
erprobten DOTS (Directly Observed Treatment, Short Course)-Strategie. DOTS
ist ein fünfstufiger Plan zur Behandlung von TB und zur Vermeidung von
MDR-TB. Die konsequente Anwendung von DOTS stellt sicher, dass Patienten
ihre Medikamente in der richtigen Dosierung, zum richtigen Zeitpunkt und
über die gesamte Behandlungsperiode hinweg kontinuierlich einnehmen.
Veraltete Strategien zur Bekämpfung von TB, wie sie bisher in Osteuropa und
in der Russischen Föderation angewendet wurden, sind erst seit kurzem
verbessert worden. DOTS wird nun auch in diesen Ländern von den nationalen
TB Bekämpfungs-Programmen praktiziert, um die Ausbreitung von TB und die
Entwicklung neuer MDR-TB Fälle zu stoppen. In den am schlimmsten betroffenen
Regionen wird das DOTS-PLUS Programm angewendet, um insbesondere die
multi-resistenten Fälle besser bekämpfen zu können. Es hat sich bei der
Bekämpfung von MDR-TB sehr bewährt. Die für DOTS-PLUS notwendigen
Medikamente sind allerdings weitaus teurer.
Neben der flächendeckenden Nutzung von DOTS bzw. DOTS-PLUS, werden dringend
finanzielle Mittel für die Entwicklung neuer Medikamente benötigt, um die
Anstrengungen in den betroffenen Gebieten wirksam zu unterstützen.
Regierungen, Hilfsorganisationen und pharmazeutische Unternehmen müssen so
schnell wie möglich handeln, um eine weitere Ausbreitung der MDR TB Epidemie
zu verhindern.
"Je mehr wir uns mit diesem Problem beschäftigen und forschen, desto mehr
MDR-TB - Fälle finden wir", sagte einer der Autoren der Studie, Dr. Mohamed
Aziz. "Wir haben MDR TB in nahezu allen untersuchten Gebieten gefunden.
Allerdings, das wahre weltweite Ausmaß ist noch immer unbekannt und kann nur
geschätzt werden. Das Problem von MDR TB kann in Gebieten, die bisher noch
nicht untersucht wurden sogar noch weitaus größer sein. Deshalb müssen wir
unsere Forschungen so schnell wie möglich ausweiten, um dieser gefährlichen
Krankheit nicht nur in der Behandlung sondern vor allen auch im Bereich der
Prävention und Früherkennung besser und schneller begegnen zu können."
Der globale TB Medikamenten Resistenz Report der WHO - die größte
Medikamenten-Resistenz-Studie ihrer Art - beruht auf der Analyse von Daten
aus der Untersuchung von über 64.000 Patienten in 77 Ländern und Regionen
weltweit.
P
Wichtiger
Hinweis für Beiträge im Bereich
Gesundheit
Für Aktualität,
Richtigkeit und Vollständigkeit keine Gewähr.
Gesetzliche
Regelungen sind zu
beachten. Quarantäne (6 Tage), Meldepflicht besteht nach dem
Bundesseuchengesetz bei Erkrankung und Tod.
Als
Quelle Wurden div. Medizinisch Fach Seiten zur Hilfe genommen.
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