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Ross River: Virus: Togavirus (Alphavirus) (RNA)

Verbreitung: Tropische und subtropische Gebiete in Australiens Küstenregionen, Ausbreitung im Südpazifik: Fidschiinseln, Neukaledonien, Papua-Neuguinea etc. Hier kommen die klinisch ähnlichen Dengue- Virusinfektionen seltener vor.

Infektionsweg:
Aedes spez. (Stechmücken), insbesondere Aedes vigilax, aber auch Culex annulirostris.
Dauer der Inkubation:
3-21 Tage
Symptomatik:
Fieberhafte Erkrankung, gelegentlich mit Ausschlägen und Polyarthritis, oder Fieber mit Myalien, Arthritis und Ausschlägen oder Enzephalitis. Durch RR verursachte epidemische Polyarthritis ist gelegentlich begleitet von Arthralgien. Patienten klagen über schwere Schmerzen für 2–6 Wochen und haben wiederkehrende Arthritis oder Arthralgien, die bis zu 30–40 Wochen  und länger andauern können. Ungefähr die Hälfte der Patienten haben großflächige Ausschläge, die über eine Woche bestehen können. Zwischen 30–50% der Patienten haben Fieber und Schüttelfrost. Fieber, Ausschläge und Arthritis können gemeinsam oder einzeln auftreten.

 

 

Sandfliegen-Fieber: (Pappataci-Fieber)

Virus: Bunyavirus (Phlebovirus) (RNA)
3 Serotypen sind von reisemedizinischer Bedeutung:
- Sandfliegen-Fieber (SF)-Sicilian (SFS)
- SF-Naples (SFN)
- SF-Toscana (TOS)
Verbreitung: SFS und SFN: Mittelmeerraum bis Pakistan
TOS: wurde bisher nur in einigen Regionen Italiens, Portugals, Spaniens und Zyperns nachgewiesen.
Infektionsweg: Vektor: Sandfliegen (Phlebotomus spez.), stechen hauptsächlich in der Dämmerung und nachts
Reservoir: Nutztiere wie Schafe und Rinder, Waldmäuse
Dauer der Inkubation: in der Regel 3-4 Tage (bis zu 6 Tage beobachtet)
Symptomatik: Die klassische Symptomatik des SF zeigt einen plötzlichen, schnellen Fieberanstieg, Kopfschmerzen, retroorbitale Schmerzen, Myalgien, Photophobie und Arthralgien. Bisweilen treten Übelkeit und Erbrechen auf. Die Symptomatik hält in der Regel 2-4 Tage an, selten kann es zu einer protrahierten Rekonvaleszenz kommen.

Infektionen mit TOS führen häufig zusätzlich zu einer aseptischen Meningitis mit einer protrahierten lymphozytären Liquorpleozytose. Diese Symptomatik tritt zumeist ca. 2 Wochen nach Abklingen der oben beschriebenen febrilen Symptomatik auf. Bei einigen Patienten wurden Lähmungen und Bewußtseinstrübungen beobachtet. Es kann zu langanhaltenden (Wochen), persistierenden Zephalgien kommen. Bei Erwachsenen scheinen inapparente Verläufe selten zu sein, und es entwickelt sich zumeist die klassische Symptomatik des SF.
Differentialdiagnose: West-Nil-Fieber, Rift-Valley-Fieber, Dengue-Fieber, Influenza.
Prophylaxe: Schutz vor Sandfliegenstichen (Repellents; Schutz durch Moskitonetze nicht adäquat gegeben). Derzeit ist keine Schutzimpfung verfügbar.

 

 

Die Dengue- Erkrankung: (gesprochen Dengi) wird durch den Denguevirus ausgelöst. Dieser ist mit dem Gelbfiebervirus verwandt und gehört zur Gruppe der Flaviviren (RNA-Virus).Es gibt 4 unterschiedliche Subtypen (1-4).

Dengue Fieber ist besonders in tropischen und subtropischen Gebieten in Südost-Asiens, Südpazifik, In Nordaustralien, bes. im Norden Queenslands, Afrika, Mittel- und Südamerika, Karibik.
 

Die schwere Verlaufsvorm, das sog. Hämorrhagische Dengue-Fieber (DHF) ist besonders im südostasiatischen Raum verbreitet. 

Es wird durch verschiedene Stechmücken der Aedes-Gruppe übertragen, die auch tagaktiv sind.

Die Inkubationszeit beträgt 5-8 Tage (3-15 Tage sind möglich).

Es gibt drei Verlaufsformen mit unterschiedlichen Symptomen:

Das klassische Dengue- Fieber: Es kann ein Vorstadium mit Einer Bindehautentzündung und Koryza auftreten, dies muss aber nicht sein. Die Erkrankung beginnt mit einem raschen Fieberanstieg auf oft über 40°C. Schüttelfrost und starke, für die Erkrankung charakteristische, Muskel- und Gelenkschmerzen treten auf. Daher stammt auch der Name "Knochenbrecher-Fieber". Kopfschmerzen und Schmerzen hinter den Augäpfeln kommen hinzu. Das Fieber bleibt für 2 bis 4 Tage anhaltend hoch. Niedriger Blutdruck und eine Verlangsamung des Herzschlages treten auf.
Ein leichter Hautausschlag, Lymphknotenvergrößerungen und eine Milzschwellung sind häufig. Nach einem schnellen Fieberabfall mit deutlichem Schwitzen kommt es typischerweise zu einem erneuten Fieberanstieg nach 1-2 Tagen. Zu diesem Zeitpunkt tritt ein sehr deutlicher, an Scharlach erinnernder, Hautausschlag am gesamten Körper außer dem Gesicht auf.
typische drei Symptome (Dengue- Trias): Fieber - Hautausschlag und Starke Schmerzen der Muskeln und Gelenke.
Oft dauert es bis zur vollen Gesundung wochenlang.

Milde atypische Verlaufsform: Dabei treten ähnliche Beschwerden wie beim klassischen Dengue-Fieber auf. der Verlauf ist jedoch milder. Die   Beschwerden halten höchstens 72 Stunden an.

Das Dengue Hämorrhagisches Fieber (DHF) oder Dengue Schocksyndrom (DSS) ist die schwerste Verlaufsform. Sie tritt hauptsächlich bei Kindern und Jugendlichen auf die in den Verbreitungsgebieten leben. Hellhäutige männliche Kinder sind besonders betroffen.
Nach einem raschen Fieberanstieg kommt es zu Kopf- und Gliederschmerzen, Erbrechen und Atemnot durch eine Lungen- oder Herzbeteiligung (Herzmuskelentzündung).
Etwa 2-6 Tage nach Krankheitsbeginn kommt es zu schweren Komplikationen und zur Schocksymptomatik mit Blutungsneigung und Gerinnungsstörungen. Punktförmige und flächige Einblutungen in die Haut und Schleimhäute, Nasenbluten, Bluterbrechen und Hirnblutungen (subarachnoidale Blutungen) treten auf. Durch die Organeinblutungen kommt es zu einem Organversagen. Die Letalität zwischen 6 und 30%.

Bei der klassischen Verlaufsform ist die Prognose günstiger. Bei Kindern ist der Verlauf häufig milder als bei Erwachsenen.

Eine durchgemachte Infektion sorgt für eine langanhaltende, typenspezifische Immunität, kein Schutz vor Infektion mit den anderen Dengue- Subtypen. Im Gegenteil, niedrige Antikörpertiter gegen einen der vier Subtypen können einen foudroyanten Krankheitsverlauf - Enhancement - bei Infektion mit einem anderen Subtyp hervorrufen.

Eine heilende Therapie ist nicht möglich, so daß die Therapie rein symptomatisch ist.

Als Differentialdiagnose sind alle viral bedingten hämorrhagischen Fieber wie z.B. Gelbfieber und andere Arbovirusinfektionen sowie weitere Krankheiten: Rickettsiosen, Virushepatitiden, Leptospirose, Malaria, Typhus, Masern und Röteln zu nennen.

Zur Vorbeugung empfiehlt sich ein Schutz vor Mückenstichen.
Eine Schutzimpfung ist nicht möglich.

 

 

Die Japanenzephalitis: wird durch Viren, sog. Flaviviren (RNA) ausgelöst. Es gibt verschiedene Stämme des Krankheitserregers (u.a. Jap. Enzephalitis, Murray-Valley-Enzephalitis, Kunjin). Die Krankheit wird durch Stechmücken der Culex spezies übertragen. Als Reservoir für die Viren sind Vögel und domestizierte Tiere (v.a. Schwein) wichtig.

Die Japanenzephalitis ist ind Südost-Asien, China, Indien, Japan, Ostsibirien, Guam (Jap. Enzephalitis), Australien (Murray-Valley-Enzephalitis, Kunjin) verbreitet. Sie kommt besonders in moderaten Klimazonen vor. Eine  saisonale Häufung im Spätsommer wird beobachtet.

Die Inkubationszeit beträgt zwischen 5 und 15 Tagen.

Von der klassischen Verlaufsform der Meningoenzephalitis sind zumeist Kleinkinder und alte Menschen betroffen davon. Die Symptome sind Fieber, Kopfschmerzen und Erbrechen. Es kommt zu Bewußtseinstrübung, Reflexstörungen und Lähmungen der Bewegung. Nach dem 10. Krankheitstag beginnt meist die Entfieberung. Die klinisch manifeste Erkrankung hinterlässt häufig (80%) neurologische und psychische Dauerschädigungen. An der Erkrankung sterben etwa 10%, wobei die Patienten zumeist vor dem 10. Krankheitstag sterben. Ein Großteil der Infektionen (>95%), verläuft vor allem. im Erwachsenenalter jedoch ohne Erkrankungszeichen (inapperent).

 Als Differentialdiagnose kommen andere viral bedingte Meningitiden, Enzephalitiden oder Tuberkulose in Betracht.

Zur Vorbeugung ist ein Schutz vor Mückenstichen wichtig. Eine aktive Schutzimpfung gegen die Japanische Enzephalitis ist mit einem inaktiviertem Impfstoff (Firma Biken, Japan) möglich. Dieser Totimpfstoff ist in Deutschland nicht zugelassen, jedoch über die Internationale Apotheke verfügbar. Die Impfung wird empfohlen bei längerem Aufenthalt in Risikogebieten. Nach durchgemachter Infektion (auch inapparent) besteht eine Immunität.

 

 

SARS Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom:

Erregerursache?
Es handelt sich um ein neues, bisher unbekanntes Virus aus der Familie der Corona-Viren, vermutlich tierischen Ursprungs. Erste Erkrankungen aufgrund der Virusinfektion sind möglicherweise im November 2002 in China (Provinz Guandong) aufgetreten. Wie Ende 2003 bekannt wurde liegt der Ursprung der Erkrankungen wohl im Verzehr der Ziebetkatze, bei der der Erreger gefunden wurde.

Der SARS- Erreger zählt zu Gruppe der Corona-Viren, die bisher nur milde Krankheitsverläufe verursachten.


Nachweismöglichkeit?
Die Meldungen von allgemeinen Atemwegsinfektionen sind in Deutschland jahreszeitlich bedingt in dieser Woche deutlich zurückgegangen. Etwas erhöhte Aktivitäten bestehen noch in Sachsen. Bei allgemeinen Atemwegsinfektionen steht ein Influenzatest zur Verfügung, der bei positivem Ausfall, SARS nahezu ausschließt.

Bei SARS-Krankheitsverdacht ist im Tropeninstitut Hamburg ein Testverfahren verfügbar. Mögliche Untersuchungsmaterialien sind: Rachenabstrich, Sputum, Lungenspülflüssigkeit, Stuhlproben und ev. auch Serum. Falsch positive Testergebnisse sind selten. Negative Ergebnisse sind für einen Erregerausschluss nicht beweisend. Es ist zu erwarten, dass dieser Test in Kürze auch in den Laboren in Berlin und Marburg zur Verfügung stehen wird. Ein SARS-Test ohne SARS- Krankheitsverdacht ist unsinnig.

Übertragung?
Das Virus wird bei Erkrankten in den Atemwegen und im Stuhl nachgewiesen. SARS ist eine Erkrankung der unteren Atemwege (Schnupfen, grippale Symptome ohne hohes Fieber sind keine SARS-Zeichen!). Die Übertragung kann durch direkten Gesicht- zu- Gesicht- Kontakt oder möglicherweise auch durch Schmierinfektionen (Stuhl-Hand), z.B. bei der Pflege von Familienangehörigen, übertragen werden.

In den hauptsächlich betroffenen Regionen in Südostasien (insbesondere Guandong, Hongkong, Singapur, Vietnam, Taiwan) leben mehrere Millionen Menschen auf zum Teil engstem Raum. Vor diesem Hintergrund spricht die Zahl der bisher Erkrankten (02.04.03: 1.804 Erkrankungsfälle gemeldet. 62 Todesfälle, d.h. 3,4% von 1.804) dafür, dass die Virusübertragung nur durch engen Personenkontakt erfolgt.

Die Virusübertragung bei Infizierten, aber noch nicht Erkrankten (ohne klinische Symptome) wurde bisher nicht nachgewiesen, könnte aber ev. kurz vor dem charakteristischen Fieberanstieg erfolgen. Mit Ausbruch der Erkrankung, in der Regel mit sehr hohem Fieber, beginnt eine starke Virusausscheidung. Die betroffen Personen sind in der Regel bettlägerig und nicht (wie bei einer leichten „Grippe“) in der Lage, Alltagsgeschäften nachzugehen.

Ein Übertragungsrisiko durch Gegenstände oder importierte Güter besteht nicht.

Krankheitsverlauf?
3–11 Tage nach einer Infektion beginnt die Erkrankung mit hohem Fieber und Atembeschwerden (Husten, Atemnot,...) aufgrund einer Beeinträchtigung der unteren Luftwege. Ebenso sind Hals- und Muskelschmerzen möglich. Im weiteren Verlauf kann sich eine Lungenentzündung entwickeln. Milde Verlaufsformen sind möglich. Mehr als 96% der Erkrankten genesen nach der Infektion.

Eine SARS-Erkrankung ist bei der folgenden Kombination denkbar

plötzlicher Krankheitsbeginn - UND

Fieber >38,5 - UND

Muskelschmerzen - UND

mindestens ein(e) respiratorische(s) Symptom/Diagnose (Halsschmerzen oder Husten oder Kurzatmigkeit oder Lungenentzündung oder Schocklunge) - UND

Aufenthalt in einer Region mit SARS-Vorkommen 3-8 Tage vor Symptombeginn oder Kontakt mit einer Person mit Lungenentzündung, die sich in den letzten 2 Wochen vor Symptombeginn Regionen mit SARS-Vorkommen aufgehalten hatte

Eine wirksame unterstützende Behandlung der Erkrankten ist möglich. Eine ursächliche Behandlung (gegen das Virus gerichtet) steht zur Zeit noch nicht zur Verfügung.

Vorbeugung?
In einigen Weltregionen kommt SARS gehäuft vor (China: Guandong/Hongkong/Taiwan, Singapur, Vietnam und in Toronto/Kanada und New York/USA). Eine weltweite Ausbreitung ist wahrscheinlich. Eine generelle Reisewarnung wird von der Weltgesundheitsbehörde nicht ausgesprochen.
 

Während der SARS Infektion im Jahr 2003 haben sich in wenigen Monaten Weltweit über 7 Tausend Menschen mit SARS infiziert von ihnen sind fast 700 an SARS gestorben.

 

Das SARS Virus ist nicht ausgerottet worden es hat sich nur zurück gezogen und lauert in einem Wird auf eine erneute Chance um möglicherweise eine erneute Pandemie auslösen zu können.


Reisehinweis

Bei Reisen in die Länder und Städte mit erhöhtem SARS- Vorkommen muss mit Behinderungen durch Quarantänemaßnahmen der örtlichen Behörden gerechnet werden. Insbesondere bei Reisen nach Hongkong, Singapur, Guandong, Toronto, ggf. auch USA

Die Gesundheitssysteme in Südostasien sind durch SARS überlastet und stehen für die allgemeine Versorgung nur eingeschränkt zu Verfügung.

Es ist Umsicht im Umgang mit erkrankten Personen notwendig. (SARS ist eine Erkrankung der unteren Luftwege, ein Schnupfen ohne Fieber ist kein SARS- Zeichen! Die SARS- Krankheitszeichen sind weiter unten aufgeführt). Die Erkrankung wird offenbar durch direkten Kontakt (Gesicht zu Gesicht, Anhusten) oder Körpersekrete (Schmierinfektionen) Daher sollen in den genannten Regionen Kontakte zu direkt Erkrankten und Massenansammlungen gemieden werden. In öffentlichen Verkehrsmitteln kann eine einfache Atemschutzmaske getragen werden. Nach Personenkontakt sollte auf Händewaschen
geachtet werden.

Reisen in die von SARS betroffen Regionen sind erschwert. Bei nicht notwendigen Reisen erfolgen nach Aussage des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalterverbandes (Herr Läpple, ARD 02.04.03) kostenlose Umbuchungen in andere Urlaubsregionen. Geschäftsreisen können unter Beachtung der genannten Vorsichtsmassnahmen durchgeführt werden.


Verhalten nach Rückkehr?
Wenn keine Krankheitserscheinungen bestehen, sind keine besonderen Vorsichtsmassnahmen erforderlich. Bei Anzeichen von Atemwegserkrankungen und Fieber sollte (um auch andere Erkrankungen ausschließen zu können) ärztlicher Rat gesucht werden.

 

H5N1 - Vogelgrippe Info http://www.vogelgrippe-seuche.de/

 

Tuberkulose:

Tuberkulose, schon mal als ausgerottete Krankheit bezeichnet, ist wieder auf dem Vormarsch. Das liegt vor allem daran, dass die Resistenzen gegen die Behandlung extrem zugenommen haben. Damit eröffnet sich ein neues Gefahrenpotenzial. Wie kritisch die Lage in einigen Teilen der Welt schon ist, macht eine weltweite Studie der WHO (World Health Organization) erschreckend deutlich.
Antibiotikaresistenzen bei Tuberkulose-Erregern sind weltweit verbreitet, und in einigen Regionen, darunter Osteuropa, haben sie erschreckende Ausmaße angenommen. Das sagte Kitty Lambregts von der "STOP TB-Kampagne" der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bei der Vorstellung der globalen TB-Medikamenten-Resistenzstudie der WHO in Berlin. "Tuberkulose und resistente Erreger machen an den Grenzen nicht halt", stellt die WHO fest.

Auch in Deutschland war bei der Resistenzentwicklung im Jahr 2002 eine steigende Tendenz gegenüber dem Vorjahr erkennbar. Der Anteil der isolierten Tuberkulose-Erreger mit einer Resistenz gegen mindestens eines der fünf Standardmedikamente lag bei 12,1 Prozent (2001: 10,9 Prozent). "Die Tuberkulose muss daher auch in Deutschland mit allen Mitteln verhindert und therapiert werden", betont Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch-Instituts.

Weltweit tragen rund zwei Milliarden Menschen das Bakterium in sich, es erkranken jährlich über acht Millionen Menschen an Tuberkulose, ein Drittel davon stirbt an den Folgen der Erkrankung, obwohl es wirksame Medikamente und eine effiziente Strategie der WHO zur Behandlung und Kontrolle gibt ("DOTS" bzw. "DOTS-PLUS"). Bei unregelmäßiger oder abgebrochener Medikamenteneinnahme überleben vor allem solche Bakterienstämme, die unempfindlich gegen die verfügbaren Medikamente sind, also eine Resistenz besitzen. Dann ist die Behandlung sehr viel schwieriger und um ein Vielfaches teurer.

In den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion (NUS) hat sich die Sterblichkeit an Tuberkulose seit 1990 nahezu verdreifacht auf 20 pro 100.000 Einwohner. Viele Personen werden aufgrund von Bagatelldelikten zu langen Haftstrafen verurteilt. In den Gefängnissen begünstigen schlechte hygienische Verhältnisse und Überfüllung eine Übertragung der Erreger. "Wegen der völlig unzureichenden medizinischen Versorgung kann eine Tuberkuloseerkrankung gleichbedeutend mit einem Todesurteil sein", meint Robert Loddenkemper, Lungenfacharzt in der Lungenklinik Heckeshorn (Berlin) und Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK).

Das DZK, das Nationale Referenzzentrum für Mykobakterien, die Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe und andere deutsche Institutionen engagieren sich auch international bei der Bekämpfung der Tuberkulose vor Ort. Hinzu kommt, dass in den NUS der weltweit höchste Anstieg von HIV/AIDS beobachtet wird. "Damit ist dort eine weitere Zunahme der Tuberkulose zu befürchten, weil das durch HIV geschwächte Immunsystem dem Tuberkuloseerreger kaum etwas entgegenzusetzen hat", unterstreicht RKI-Präsident Kurth.

In Deutschland wurden im Jahr 2002 insgesamt 7.684 Neuerkrankungen gemäß Referenzdefinition übermittelt. Der Trend der vergangenen zehn Jahre ist rückläufig. Für 2001 liegen nun erstmals auch die vom Öffentlichen Gesundheitsdienst erhobenen Daten zum Behandlungsergebnis vor. Die Zielvorgabe der WHO (Behandlungserfolg in 85% der Fälle) wurde bei den unter 40-Jährigen erreicht. Bei höheren Altersgruppen kommt es zu einem Anstieg von Todesfällen an Tuberkulose oder anderen Ursachen, sodass der Anteil erfolgreicher Behandlungen deutlich unter das WHO-Ziel sinkt.

WHO veröffentlicht weltweit größte Medikamentenresistenzstudie

Die Entwicklung multiresistenter Tuberkulose (MDR TB) bei Tuberkulose (TB) - Patienten ist in Teilen Osteuropas und der Russischen Föderation bis zu 10 mal häufiger als in anderen Teilen der Welt. Dies ist eines der Ergebnisse einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Von den zehn so genannten "Hot Spots", Regionen in denen sich eine besonders hohe Resistenz gegen herkömmliche TB Medikamente entwickelt hat, befinden sich 6 in den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion. In Estland, Kasachstan, Lettland, Litauen sowie Teilen der Russischen Föderation und Usbekistan wirkten bei über 9% der untersuchten TB - Patienten traditionelle TB Medikamente bereits nicht mehr. Die höchste Resistenz war dabei in Kasachstan mit über 14% gefunden worden.

In absoluten Zahlen ausgedrückt heißt dies: zwischen 99 und 248 geschätzte MDR-TB Fälle pro Land in den untersuchten Regionen in Osteuropa und Zentralasien, für Kasachstan sogar über 3000 Fälle jedes Jahr. Zum Vergleich, in den meisten westeuropäischen Ländern, wie z.B. auch Deutschland, sind es jährlich jeweils weniger als 10 Fälle. Die frühere Sowjetunion hat sich zum weltweiten Zentrum der Resistenz gegen herkömmliche TB Medikamente entwickelt. Dabei liegen die Ursachen für diese dramatische Entwicklung insbesondere im Zusammenbruch der öffentlichen Gesundheitsversorgung nach dem Niedergang der ehemaligen Sowjetunion.

TB ist eine heilbare Krankheit, sofern Patienten rechtzeitig und mit einer Kombination hochwirksamer Medikamente behandelt werden. Mehrfach resistente Tuberkulose - wie alle Formen von TB durch die Luft über die Atemwege übertragbar - kann sich entwickeln, wenn TB -Patienten zum Beispiel die Behandlung mit den ihnen verschriebenen Medikamenten zu früh abbrechen oder sich nicht an die vom Arzt verschriebene Dosierung halten. MDR-TB ist dann sehr viel schwieriger (durchschnittliche Behandlungsdauer 2 Jahre mit ungewissem Ausgang) und auch nur mit sehr viel höherem Kostenaufwand (bis zu 100 mal teurer gegenüber herkömmlichen Tuberkulose-Medikamenten) zu behandeln.

"Es liegt im ureigensten Interesse Westeuropas, den Ländern in Osteuropa und Zentralasien sowie auch den anderen am schwersten betroffenen Ländern in der Welt - wie z.B. China und Indien - zu helfen, Tuberkulose wirksam zu bekämpfen. Denn, Passkontrollen halten MDR-TB nicht auf, Investitionen in weltweite Tuberkulose-Prävention schon," sagte Dr. Mario Raviglione, Direktor des Stop TB-Programms der WHO.

Laut dem neusten WHO-Report gibt es weltweit schätzungsweise 300.000 neue Fälle von MDR-TB jedes Jahr. Über 79% dieser Fälle davon sind noch weitaus gefährlicher, denn die gefundenen Tuberkulosestämme sind gegenüber mindestens 3 der 4 Haupt-Medikamente, die normalerweise zur Behandlung von Tuberkulose eingesetzt werden, resistent.

Die zusätzliche explosionsartige Entwicklung von HIV/Aids in Osteuropa und Zentralasien macht MDR TB zu einer noch größeren Herausforderung für das öffentliche Gesundheitswesen. Patienten, deren Immunsystem geschwächt ist, haben eine viel höhere Wahrscheinlichkeit sich mit TB anzustecken.

Die Länder der ehemaligen Sowjetunion verzeichnen den schnellsten Anstieg an HIV-Infizierungen weltweit. Laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) leben bereits über 1,5 Millionen Menschen mit dem Virus in der Region. Zum Vergleich, im Jahre 1995 waren es 30.000.

"Menschen mit einem angegriffenen Immunsystem bieten MDR-TB eine perfekte Möglichkeit sich schnell zu verbreiten und zu töten," sagte der Assistant Director General der WHO für den Bereich HIV/Aids, TB und Malaria, Dr. Jack Chow. "Wir müssen deshalb unsere Anstrengungen verstärken um die Verbreitung aller Formen von TB weltweit wirksam zu bekämpfen."

Laut der neuen WHO-Studie ist die wirkungsvollste Strategie, das Aufkommen von Medikamentenresistenz zu verhindern, die konsequente Umsetzung der erprobten DOTS (Directly Observed Treatment, Short Course)-Strategie. DOTS ist ein fünfstufiger Plan zur Behandlung von TB und zur Vermeidung von MDR-TB. Die konsequente Anwendung von DOTS stellt sicher, dass Patienten ihre Medikamente in der richtigen Dosierung, zum richtigen Zeitpunkt und über die gesamte Behandlungsperiode hinweg kontinuierlich einnehmen.

Veraltete Strategien zur Bekämpfung von TB, wie sie bisher in Osteuropa und in der Russischen Föderation angewendet wurden, sind erst seit kurzem verbessert worden. DOTS wird nun auch in diesen Ländern von den nationalen TB Bekämpfungs-Programmen praktiziert, um die Ausbreitung von TB und die Entwicklung neuer MDR-TB Fälle zu stoppen. In den am schlimmsten betroffenen Regionen wird das DOTS-PLUS Programm angewendet, um insbesondere die multi-resistenten Fälle besser bekämpfen zu können. Es hat sich bei der Bekämpfung von MDR-TB sehr bewährt. Die für DOTS-PLUS notwendigen Medikamente sind allerdings weitaus teurer.

Neben der flächendeckenden Nutzung von DOTS bzw. DOTS-PLUS, werden dringend finanzielle Mittel für die Entwicklung neuer Medikamente benötigt, um die Anstrengungen in den betroffenen Gebieten wirksam zu unterstützen. Regierungen, Hilfsorganisationen und pharmazeutische Unternehmen müssen so schnell wie möglich handeln, um eine weitere Ausbreitung der MDR TB Epidemie zu verhindern.

"Je mehr wir uns mit diesem Problem beschäftigen und forschen, desto mehr MDR-TB - Fälle finden wir", sagte einer der Autoren der Studie, Dr. Mohamed Aziz. "Wir haben MDR TB in nahezu allen untersuchten Gebieten gefunden. Allerdings, das wahre weltweite Ausmaß ist noch immer unbekannt und kann nur geschätzt werden. Das Problem von MDR TB kann in Gebieten, die bisher noch nicht untersucht wurden sogar noch weitaus größer sein. Deshalb müssen wir unsere Forschungen so schnell wie möglich ausweiten, um dieser gefährlichen Krankheit nicht nur in der Behandlung sondern vor allen auch im Bereich der Prävention und Früherkennung besser und schneller begegnen zu können."

Der globale TB Medikamenten Resistenz Report der WHO - die größte Medikamenten-Resistenz-Studie ihrer Art - beruht auf der Analyse von Daten aus der Untersuchung von über 64.000 Patienten in 77 Ländern und Regionen weltweit.

 


P


Wichtiger Hinweis für Beiträge im Bereich GesundheitGesundheitshinweis

Für Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit keine Gewähr.      

Gesetzliche Regelungen sind zu beachten. Quarantäne (6 Tage), Meldepflicht besteht nach dem Bundesseuchengesetz bei Erkrankung und Tod.

Als Quelle Wurden div. Medizinisch Fach Seiten zur Hilfe genommen.

 

 

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